Räume für kreative Gedanken – mit kreativer, innovativer Methode gebaut
Hintergrundinfos:
| Wer? Weingut Horst Sauer | Wer? LZR Lenz-Ziegler-Reifenscheid GmbH |
| Wo? Escherndorf (Landkreis Kitzingen) | Wo? Kitzingen und weitere Standorte im Landkreis Kitzingen |
| Was? VDP-Prädikatsweingut | Was? Beton- und Rohstoffunternehmen, Hersteller von Sand-, Kies- und Schottermaterialien sowie diversen Betonsorten |
| Kontakt: Horst Sauer, Winzer & Gründer |
Kontakt: Christian Reifenscheid, Geschäftsführer, c.reifenscheid@lzr.de |
Große Weine von Weltruf, international prämiert, geprägt vom einzigartigen Escherndorfer Terroir … Als VDP-Weingut zählt das Weingut Horst Sauer nicht nur zu den deutschen Prädikatsweingütern, sondern auch zu den renommiertesten Weingütern Frankens. 1977 von Horst Sauer gegründet, wird der Familienbetrieb aktuell in fünfter Generation von Tochter Sandra geführt. Das Weingut steht für großartige Weinlagen (Rebfläche: 20 ha), herausragende Frankenweine, höchste handwerkliche Qualität, große Leidenschaft und ein feines Gespür für die natürlichen Voraussetzungen der Region. Als zertifiziertes FAIR´N GREEN Unternehmen setzt das Weingut zudem auf modernste Nachhaltigkeit. Im Fokus des Weinsortiments stehen mineralisch geprägte Silvaner und Rieslinge mit klarer Handschrift, schonend hergestellt im mehrstöckigen Gärverfahren.
LZR Lenz-Ziegler-Reifenscheid GmbH
Die LZR ist ein familiengeführtes Beton- und Rohstoffunternehmen, das im Einklang von Mensch, Natur und Wirtschaft regional hochwertiges Sand-, Kies- und Schottermaterial sowie vielfältige Betonsorten liefert. Besonderes Augenmerk legt LZR auf Innovation und Kreislaufwirtschaft. Besonderheit im Produktsortiment: R-Beton, ein ressourcenschonender Recyclingbeton, bei dem bis zu 45 % der herkömmlichen Gesteinskörnungen durch aufbereiteten Betonbruch ersetzt werden. Hergestellt mit CO₂-reduziertem Zement (CEM II C-M 42,5N), entspricht dieser zertifizierte Beton den Normen DIN EN 12620 und wird unter strengsten Prüfverfahren im firmeneigenen Labor nach eigenen Rezepturen entwickelt. R-Beton ist vielseitig einsetzbar und unterstützt nachhaltige Bauprojekte in der Region Mainfranken.
Räume für kreative Gedanken – mit kreativer, innovativer Methode gebaut
Eine Geschichte über Nachhaltigkeit, Vertrauen – und den Mut, neue Wege zu gehen.
„Wenn Du denkst, du kannst es, hast du schon verloren. Es gibt immer Neues - was wir brauchen ist Neugier und den Mut, Neues zu wagen“, sagt Horst Sauer. Und dann lächelt er. Nicht siegessicher, sondern wach, energiegeladen – neugierig. Kreativität, das ist für ihn kein Wort aus dem Weinprospekt, sondern eine innere Haltung. Eine, die er nicht nur in seinen Weinen lebt, sondern auch in seinem jüngsten Bauprojekt: dem Anbau seines Weinguts im fränkischen Dorfkern, gebaut mit R-Beton - also Recyclingbeton.
Was entsteht, nennt Horst Sauer poetisch „Räume für kreative Gedanken“. Ein Ort für Ruhe & Dialog, zum Nachdenken & Genießen. Was sich dahinter verbirgt, ist ebenso innovativ und kreativ wie die Art, wie gebaut wurde: ressourcenschonend, mutig – und mit einer Technik, die in Deutschland noch zu selten zum Einsatz kommt.
Kreativität beginnt schon im Material
Recyclingbeton ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen, technischer Präzision und einer Idee, die manchem zunächst fremd erscheint: Etwas Neues, Schönes und Beständiges aus dem zu schaffen, was andere „als Abfall“ betrachten. Die Herstellung von R-Beton ist in der Tat ein kreativer Prozess: Das richtige Material, die richtige Rezeptur, die Abstimmung der Körnung, die Farbwirkung – alles muss stimmen. Und das erfordert nicht nur Know-how, sondern auch Kreativität. „Recycling ist auch ein schöpferischer Akt“, erklärt Christian Reifenscheid. „Man muss Kreisläufe neu denken, braucht Vorstellungskraft, technisches Wissen und die Bereitschaft, vertraute Wege zu verlassen“, so Reifenscheid weiter.
Vertrauen, Ehrlichkeit und Material aus der Region – das sind die Grundlagen, auf denen das Projekt steht. Das Abbruchmaterial stammt von der ehemaligen Talbrücke Rothof, einem Teilstück der BAB A7 nahe Würzburg. Es wurde gebrochen, gesiebt, geprüft und nach einer firmeneigenen Rezeptur neu zusammengesetzt. Sogar CO₂ -reduzierter Zement wurde verwendet. So entstand ein ökologisch optimierter Baustoff – regional, ressourcenschonend und in seiner Umsetzung einzigartig. Für maximale Nachhaltigkeit.
Ein Gebäude, das Haltung zeigt
Gebaut wurde kein funktionales Zweckgebäude, sondern ein Ensemble mit Seele, das sich in den historischen Bestand einfügt und dabei bewusst Akzente setzt. Ruhige Farben, schlichte Designs, damit Räume entstehen, in denen Menschen Harmonie und das Schöne spüren. „Es war nie einfach nur ein Bauen, es war immer ein Gestalten. Wein und Kulinarik, Musik, Kunst und Kultur gehören für uns zusammen. Wir möchten, dass die Menschen spüren, was für uns wichtig ist und hier zur Ruhe kommen“, so Horst Sauer. Architektur als Einladung zum Innehalten & Genießen also. „Wenn die Worte versiegen, weil man das Schöne nicht mehr beschreiben kann – dann ist es gelungen“, bemerkt er noch beiläufig.
Gleichzeitig bautechnisch ein hochkomplexes Projekt: Bauen am Hang, Bauen mit und im Bestand, inmitten eines sensiblen Dorfgefüges. Aber: keine Zeitverzögerungen. Stattdessen enge Abstimmung, klare Kommunikation und zwei Teams, die aus Überzeugung handeln. Geplant ist die Eröffnung im August 2025 – „mit Menschen, die mich und uns seit Jahren begleiten“, so Horst Sauer.
Ein Miteinander auf Augenhöhe
Die Kooperation von Weingut und Betonlieferant war geprägt von einer Haltung, die in beiden Unternehmen gelebt wird: Qualität vor Preis, Verantwortung vor Bequemlichkeit, Zuverlässigkeit vor Unverbindlichkeit, Präzision vor Beliebigkeit. Für LZR war es das erste Projekt, bei dem R-Beton nicht ausgeschrieben war, sondern vom Lieferanten selbst vorgeschlagen wurde. „Unsere Familien kennen und schätzen sich, wir haben bereits zusammengearbeitet, wir haben ein sehr ähnliches Werteverständnis, einer vertraut dem anderen… das macht Verhandlungen leichter“, erzählt Christian Reifenscheid. „Die finanziellen Mehrkosten in Höhe von fünf Prozent gegenüber Normalbeton, waren für uns nicht ausschlaggebend. R-Beton passt zu uns, zu unserem Denken und wir hatten das Gefühl, wir sind nicht allein. Wir haben uns aufgehoben gefühlt. Durch Info, durch Begleitung, durch ein Labor. Jetzt, Monate später würde ich sagen, wir waren getragen“, ergänzt Horst Sauer.
Mainfranken: Eine Region im Umbruch
Das Projekt ist auch eine Reaktion auf drängende Fragen der Region. Obwohl Mainfranken über ausreichend Sand- und Kiesvorkommen entlang des Mainufers verfügt, verhindern Vogelschutz, Landschaftsschutz und stockende Genehmigungen zunehmend die regionale Gewinnung. Verständlich, aber herausfordernd. „R-Beton ist keine Spielerei“, so Reifenscheid. „Recycling ist eine ernsthafte Antwort auf die aktuelle Rohstofflage. Die Herstellung von R-Beton ist technisch ausgereift und ökologisch sinnvoll. In der Vermarktung stehen wir allerdings erst am Anfang, es gibt nur wenige Referenzprojekte, viele haben Angst vor dem Unbekannten“, so Reifenscheid weiter. „Wir als Bauherren, aber auch unser Architekt und unsere Baufirma hatten in der Tat keinerlei Erfahrungen mit R-Beton. Es kostete viel Überzeugungskraft, dauerhaften Austausch und intensive Abstimmungen. Nicht bei uns, aber unseren anderen Dienstleistern. Ausgenommen LZR natürlich. Hier brennt gerade die junge Generation für Neues, bei allem Tun spürt man Dynamik und Empathie – was geleistet wurde, war wirklich großes Kino“, ergänzt Horst Sauer.
Deshalb ist dieses Projekt wichtig: als Mutmacher, als Modell und weil es zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur bedeutet, etwas zu vermeiden, sondern etwas Neues zu schaffen. Gezeigt hat sich im täglichen Miteinander auch, welche Schlüsselrolle das Thema Kommunikation spielt. „Kommunikation ist bei einer Zusammenarbeit immer wichtig. Gelernt habe ich, dass es zudem ganz, ganz wichtig ist zu hinterfragen, ob die Kommunikation auch verstanden wurde“, resümiert Horst Sauer. „Mein Learning ist, Unsicherheiten durch Kommunikation rechtzeitig auszuräumen, um frühzeitig Verständnis, Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen“, erklärt Christian Reifenscheid.
Neugier, Vertrauen und Kreativität sind der stärkste Baustoff
So könnte das Fazit dieser Kooperation lauten. Was das Projekt so besonders macht, ist fernab jeglichen Materials, die Neugier und der Wunsch, Dinge anders zu machen – präziser, nachhaltiger, mutiger. Es ist Einstellung zweier Unternehmen, die gemeinsam gestalten wollen, die sich aufeinander verlassen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das Weingut lebt dieses Verständnis im Weinberg, LZR lebt es im Werkstoff.
Und am Ende geht es darum, was bleibt. Um einen Ort, der mehr ist als Baukörper aus Beton. Es ist ein Statement – für regionale Identität, für kreative Lösungen, für nachhaltiges Denken. Und vielleicht vor allem: für eine andere Art zu bauen.
