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Der lange Weg des Erdbeerjoghurts

Wie kann unser Wirtschaftssystem ressourcenschonender gestaltet werden? Wie können sich Regionen als Verantwortungsgemeinschaften nachhaltiger aufstellen? Und wie sehen unternehmerische Vorbilder gelebter Nachhaltigkeit konkret aus? Antworten auf diese Fragen lieferte das Nachhaltigkeitssymposium Mainfranken der Region Mainfranken GmbH am 1. Dezember 2015.

Dass das Steigerwald-Zentrum in Handthal als Veranstaltungsort den richtigen Rahmen für die 120 Teilnehmer bot, verdeutlichte Landrat Florian Töpper in seiner Begrüßung: „Konzept und Philosophie des Steigerwald-Zentrums sind es, Nachhaltigkeit am Beispiel der Waldbewirtschaftung und Holzverwendung erlebbar zu machen. Der Nachhaltigkeitsgedanke findet hier also wieder dorthin zurück, wo er ursprünglich herkam – aus der Forstwirtschaft.“ Außer Frage stehe jedoch auch, dass der Weg hin zum Idealbild eines verantwortungsbewussten Handelns gegenüber künftigen Generationen mit enormen Anstrengungen verbunden sei. „Die Region Mainfranken GmbH wird daher auch weiterhin bestrebt sein, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung unseres Wirtschafts- und Lebensraums aktiv mitzugestalten.“

Nachhaltigkeit in einer Welt mit neun Milliarden Menschen – unter diesem Motto stand der Vortrag von Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, einem führenden Vordenker und Gestalter nachhaltiger Entwicklung. So bestehe die einzig realistische Chance, das unverminderte Bevölkerungswachstum und die Notwendigkeit verantwortungsbewussten Handelns gegenüber künftigen Generationen zu vereinen darin, die Ressourcenproduktivität zu Weizsäckerverfünffachen. „Diesen Effizienzschatz zu heben, bedeutet aber nichts weniger als eine technische Revolution im Sinne eines neuen Kondratjeff-Zyklus“, so von Weizsäcker.
Hier gebe es bereits hervorragende Ansätze, doch leider befänden sich Unternehmen, die sich intensiv um CO2-Reduktion bemühten, aktuell noch viel zu oft auf der Verliererseite. „Solange wir unsere Verschwendung fast geschenkt bekommen, wird sich nicht viel bewegen. Der Preis ist die entscheidende Triebfeder, etwa bei den Transportvorgängen. Diese sind eine der Hauptverursacher der Klimaerwärmung, spielen bei den Kosten jedoch eine marginale Rolle. So bringt es etwa der Erdbeerjoghurt in unserem Kühlschrank mit allen Zulieferbestandteilen auf eine Transportstrecke von über 9.000 Kilometer!“
Ziel müsse es daher sein, dass nachhaltige Unternehmen zu Gewinnern im Wettbewerb würden. Aber wie? „Was wir brauchen, ist eine Politik der Entkopplung des Wohlstands vom Ressourcenverbrauch. Wir sollten politisch dafür sorgen, dass die Preise einigermaßen die ökologische Wahrheit sagen und Anreize zur Ressourceneffizienz geschaffen werden, um nachhaltiges Wirtschaften lukrativ zu machen – etwa indem wir die Energie- und Rohstoffpreise parallel zu den Effizienzgewinnen anheben“, präsentierte von Weizsäcker einen möglichen Lösungsansatz.

Ausgehend von diesen globalen Leitlinien spannte Thomas Merten, Geschäftsführer Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften gGmbH, in seinem Vortrag den Bogen zur regionalen Ebene. Dabei plädierte er für eine nachhaltige Regionalentwicklung, in der die großen Herausforderungen Ressourcenknappheit, demografischer Wandel und Innovationsfähigkeit systemisch untrennbar voneinander abhängen. „Sektorale Handlungsmuster greifen zu kurz. Die Herausforderungen der Zukunft müssen ganzheitlich betrachtet, bearbeitet und bewältigt werden. Es gilt, Lösungsansätze integrativ zu Mertendenken – demografischer Wandel, Ressourceneffizienz und Innovationsfähigkeit sind aufs Engste verzahnt und bedingen sich gegenseitig.“ So hätten etwa veränderte Konsummuster einer alternden Gesellschaft Rückwirkungen auf Produktinnovationen, eine höhere Ressourceneffizienz sei nur durch Innovationen erreichbar und eine Schrumpfung der Bevölkerung könne einen sinkenden Ressourcenverbrauch implizieren.
Wie solch ein Lösungsansatz aussehen kann, verdeutlichte Merten am Beispiel der Region Augsburg. Sie habe es sich  zum Ziel gesetzt, sich bis zum Jahr 2030 durch eine integrierte Betrachtungsweise der drei Herausforderungen demografischer Wandel, Innovationsfähigkeit und Ressourceneffizienz in ihren sozioökonomischen Kennzahlen um den Faktor 3 zu verbessern. „Die damit verbundenen Arbeitsfelder sind so vielfältig wie der Nachhaltigkeitsgedanke selbst. Dabei geht es nicht nur um Sensibilisierung, sondern auch um nachhaltige Strukturpolitik, Produktionsweisen und Konsumstile sowie Wissensproduktion und -anwendung für Nachhaltigkeit.“ Dies erfordere laut Merten ein hohes Maß an Interdisziplinarität, Koordination und Kontinuität.

Abschließend zeichnete Landrat Florian Töpper im Rahmen der Preisverleihung des Nachhaltigkeitspreises Mainfranken 2015 fünf Unternehmen aus, die in Sachen Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen und damit Vorbilder gelebter Nachhaltigkeit sind.

Detaillierte Informationen zu den siegreichen Wettbewerbsbeiträgen finden Sie hierexterner Link.

Die Präsentationen der beiden Referenten:

Präsentation_Weizsäcker, 2933 KB
Präsentation_Merten, 4400 KB

 

Ansprechpartner

Sebastian Kühl

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Tel: 0931/452 652-13
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