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Denker treffen Lenker!

Die sogenannte vierte industrielle Revolution ist in aller Munde – auch in Mainfranken. Denker_treffen_LenkerZahlreiche Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht, industrielle Fertigung mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik zu verbinden und somit wichtige Schritte hin zur Produktion der Zukunft zu gehen. Angesichts der hohen Wissensintensität dieses Prozesses spielt die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft gerade für die mittelständisch geprägte Region Mainfranken eine maßgebliche Rolle. Denn nur wer sich dem Megatrend Industrie 4.0 öffnet, wird nachhaltig erfolgreich und damit auch weiterhin wettbewerbsfähig sein.

Genau hier setzte die Dialogveranstaltung „Denker treffen Lenker“ der Region Mainfranken GmbH am 7. April 2016 an: mainfränkische Forschungsakteure stellten anwendernahe Leitprojekte zur Förderung der digitalen Produktion vor, Unternehmen präsentierten erfolgreiche Beispiele zur Umsetzung von Industrie 4.0 im betrieblichen Umfeld und eine Kooperationsbörse bot die Gelegenheit, mit potenziellen Kooperationspartnern ins Gespräch zu kommen.

In ihrer Einführung betonten die beiden Sprecher des Fachforums Kooperation Wissenschaft & Wirtschaft der Region Mainfranken GmbH, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Uni-Präsident Prof. Dr. Alfred Forchel die enorme Bedeutung einer gesamtregionalen Standortstrategie zur Förderung von Zukunftsthemen für den Technologiestandort Mainfranken. „Wir werden im Wettbewerb um Leuchtturmprojekte, Forschungsförderung und die besten Köpfe nur dann erfolgreich sein, wenn Mainfranken nicht in einer Kakophonie auftritt, sondern mit einer gemeinsamen Stimme spricht“, war sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt sicher. Mit dem Hochschulverbund Franconia Alliance of Science and Technology – FAST habe man laut Präsident Prof. Dr. Forchel einen wichtigen Schritt auf diesem Weg vollzogen: „Ziel der Allianz-Partner ist es, im Bereich Wissenschaft und Technologie noch enger zu kooperieren, Stärken zu bündeln, Forschungsprojekte durchzuführen und Kooperationen mit der Wirtschaft zu forcieren.“

Im Rahmen seiner Keynote gewährte Dr. Manfred Wittenstein nicht nur einen WittensteinEinblick in die Produktion der Zukunft bei der Wittenstein AG – einem Innovationstreiber in der mechatronischen Antriebstechnik – sondern gab den anwesenden Vertretern mittelständischer Unternehmen auch wertvolle Tipps zur Umsetzung von Industrie 4.0 mit auf den Weg. „Industrie 4.0 ist für den deutschen Mittelstand von zentraler Bedeutung, wenn er seine Rolle als Innovationsführer und Job-Motor in Zukunft behalten möchte. Dabei geht es weniger darum, radikale Lösungen zu fahren, sondern im Sinne einer strategischen Aufgabe und unter Mitnahme der Belegschaft verschiedenste technologische Entwicklungen so zu kombinieren, dass es im Idealfall zu einer disruptiven Innovation kommt.“ Dass dies ein mittelständisches Unternehmen alleine stemmen kann, dem erteilte Dr. Wittenstein eine klare Absage: „Suchen Sie den Schulterschluss mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie 4.0-Initiativen! Fehlende interne Fähigkeiten eines Unternehmens müssen von extern komplementiert werden.“ Vor allem Start-ups komme in diesem Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung zu – getreu dem Motto der Veranstaltung: „Wir brauchen auch neue Denker und Lenker!“

Bei der anschließenden Fishbowl-Diskussion stellten ausgewählte mainfränkische Forschungsakteure ihre Industrie 4.0-Leitprojekte vor.
Prof. Dr. Gerhard Sextl (Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC) präsentierte mit Safe Product ein ganzheitliches FishbowlForschungsvorhaben, welches erstmalig alle maßgeblichen mainfränkischen Wissenschaftseinrichtungen vereint und das darauf abzielt, digitales Monitoring entlang des gesamten Materialkreislaufs zu implementieren – von der Materialforschung über den Fertigungsprozess bis hin zum Betrieb und der Wiederverwertung.
In seiner Funktion als stellvertretender Vorstand des Zentrum für Telematik informierte Hans-Joachim Leistner über die Kompetenzen des Instituts für Adaptive Robuste Systeme ARS. Angesichts der enormen Bedeutung von Digitalisierungsprozessen werde hier Knowhow bereitgestellt, um die Lücke zwischen dem in Mainfranken gut aufgestellten Maschinenbau und der schwach ausgeprägten IuK-Branche zu schließen.
Wie gleichberechtigte Zusammenarbeit von Mensch und Maschinen gelingen kann, zeigte FHWS-Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Hartmann am Projekt i-Factory. Unter dem Motto „Digitalisierung unter einem Dach“ sollen in dieser Fabrik Innovationen in Entwicklung und Fertigung erforscht, Flexibilisierung in der Fertigung erprobt und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden.
Ganz dem Kunststoff verschrieben hat sich die von Dr. Ulrich Mohr-Matuschek (Geschäftsführer SKZ-KFE gGmbH) vorgestellte SKZ-Modellfabrik 2020. Hier werden in einer zukunftsweisenden Forschungs- und Fertigungsumgebung innovative Konzepte umgesetzt – vom intelligenten Spritzgießen und additiver Fertigung über Smart Factory und Quality bis hin zu integrierter Aus- und Weiterbildung.

Bevor die fachlichen Impulse im Rahmen der Kooperationsbörse vertiefend diskutiert wurden, wurde Industrie 4.0 auch von Unternehmensseite beleuchtet. Für die Siemens AG zeigte Peter Deml auf, wie in der Fertigungslinie für Elektromotoren in Bad Neustadt innovative Herstellungsprozesse sowie hochmoderne Automatisierungstechnik implementiert wurden. Als Anbieter von Industrie 4.0-Lösungen stellte Martin Nehls vor, wie die iTiZZiMO AG Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse mittels intelligenter Softwareanwendungen unterstützt.

In ihren Schlussworten zeigte sich die Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH, Frau Åsa Petersson zuversichtlich, was die weitere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in der Region angeht: „Mit der Präsentation der wissenschaftlichen Leitprojekte ist es gelungen, einen starken Impuls für die Standortstrategie der Region Mainfranken zu setzen. Die heutige Veranstaltung ist ein weiterer Baustein, um anwendungsnahe Forschungskooperationen noch stärker in der hiesigen Wirtschaft zu verankern.“

Ansprechpartner

Sebastian Kühl

Ludwigstraße 10 1/2
97070 Würzburg

Tel: 0931/452 652-13
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