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User Experience ist weit mehr als nur Dekoration

3. Innovationsforum Mainfranken

11. Dezember 2019
Ansprechpartner:

Sebastian Kühl, Dipl.- Geogr.
Ludwigstraße 10 1/2
97070 Würzburg
0931/452 652-13
kuehl@mainfranken.org

11. Dezember 2019

Das Innovationsforum wird gemeinsam mit der IHK Würzburg-Schweinfurt und der Universität Würzburg organisiert und ist ein erfolgreiches Format des Wissenstransfers zwischen Forschung und Firmen. Hier werden Kontakte geknüpft und potentielle Kooperationen mit der Wirtschaft angebahnt.

Technik-Anwendung durch unbewusstes vorwissen 

Anwendergerechtes Design von Technik bei gleichzeitigem Erhalt des Nutzungserlebnisses – die Symbiose dieser beiden Kriterien spielt in Zeiten zunehmender Digitalisierung aller Lebensbereiche eine zentrale Rolle bei der Interaktion mit einem Produkt, Dienst, einer Umgebung oder Einrichtung. In diesem Zusammenhang haben sich die Begriffe „Intuitive Benutzung“, also die automatische Technik-Anwendung durch unbewusstes Vorwissen, sowie „User Experience“ als subjektive Erfahrung des Nutzers mit einem Produkt oder einer Anwendung etabliert. Im Rahmen des diesjährigen Innovationsforums Mainfranken am 3. Dezember im ZDI Mainfranken informierten sich zahlreiche Unternehmen über die neusten Entwicklungen auf diesem Sektor.

In daten Baden

User Experience und intuitive Benutzung – Was muss ich wissen? Diese Frage beantwortete Prof. Dr. Jörn Hurtienne, Leiter des Lehrstuhls für Psychologische Ergonomie an der Universität Würzburg im Rahmen seines Einführungsvortrags. „Intuitive Benutzung, definiert als mentale Effizienz durch unbewusste Anwendung von Vorwissen, lässt sich gestalten, indem man erfolgreiche Interaktion unter suboptimalen psychologischen Bedingungen ermöglicht. Etwa bei Zeitdruck, eingeschränkter Aufmerksamkeit, Motivation und sensorischer Fähigkeiten oder geringem Technikwissen“, so Prof. Dr. Hurtienne. Im Gegensatz zur Usability stelle der User Experience-Ansatz dabei nicht nur die eigentliche Nutzungssituation in den Fokus, sondern auch die Effekte, die ein Produkt sowohl vor als auch nach der Nutzung auf den Nutzer habe. „Im Zentrum steht daher das Beobachten und die Frage nach dem Warum. Durch das Eintauchen in die daraus gewonnenen Daten lassen sich über methodische Ansätze wie etwa dem Wall Walk konkrete Ideen entwickeln und testen, um letztlich eine benutzerzentrierte Gestaltung zu erreichen.“

User experience und Unternehmenserfolg

Wie eben jenes „User-Centred Design“ in die Praxis umgesetzt werden kann, darüber berichteten Dr. Robert Tscharn und Dr. Diana Löffler vom Würzburger Start up fünfpunktnull GmbH. „User Experience ist weit mehr als nur Dekoration und schöne Interfaces. Vielmehr korrelliert der User Experience-Reifegrad positiv mit dem Unternehmenserfolg.“ Aktuell hätten rund 60 Prozent aller deutschen Firmen bestenfalls projektbasierte Erfahrungen in diesem Bereich, nur in den wenigsten Fällen sei das Thema bereits in der Unternehmensstrategie verankert. „Dazu muss User Experience über alle Customer Journeys, Produkte und Abteilungen hinweg als übergeordnete Aufgabe implementiert werden.“ Aber auch schon durch kleine Schritte, etwa das Testen einzelner Produkte, Services oder Prozesse könnten große Fortschritte in Sachen nutzerfreundliches Design erzielt werden.

JEde Ausfallminute kostet geld

Ganz plastisch am Beispiel der Reparatur eines Mähdreschers erläuterten Prof. Dr. Carolin Wienrich (Universität Würzburg) und Dr. Joachim Baumeister (denkbares GmbH) den konkreten Nutzen von User Experience im technischen Service. „Im Kern geht es darum, einen unter Druck stehenden Servicetechniker an den Schnittstellen Mensch-Technik und Mensch-Mensch so zu unterstützen, dass er die für die Reparatur notwendigen Informationen möglichst schnell und nutzerfreundlich erhält. Denn jede Ausfallminute kostet Geld.“ Die Herausforderung liege also darin, unter Einbeziehung sozial-kognitiver Prozesse in der Mensch-Technik-Interaktion tausende pdf-Seiten einer technischen Dokumentation so zu bauen, dass der Techniker schnell zur Diagnose und Problemlösung gelange. „Dabei helfen natürlich auch moderne digitale Technologien wie VR-Brillen, Sprachassistenten und intelligente mobile Devices.“

Anwendungsorientierte Workshops

Im Rahmen dreier Workshops nutzten die anwesenden Unternehmensvertreter abschließend die Möglichkeit, die in den Vorträgen präsentierten Methoden vertiefend zu diskutieren und an konkreten Praxisbeispielen anzuwenden.