Unsere Website setzt zur Funktionsfähigkeit sowie zu Analysezwecken Cookies ein. Sie können den Einsatz von Cookies jederzeit deaktivieren oder widersprechen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Mehr InfosOK
8. EnergieDialog Mainfranken

Rückblick: Wir haben einen Planeten zu retten!

Ansprechpartner:

Sebastian Kühl, Dipl.- Geogr.
Ludwigstraße 10 1/2
97070 Würzburg
0931/452 652-13
kuehl@mainfranken.org



14. Dezember 2018

Sektorenkopplung als Schlüssel zur Energiewende

„Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen: Weiter zusehen oder endlich handeln?“ Mit dieser Frage konfrontierte Professor Volker Quaschning die 140 Besucher des 8. EnergieDialogs der Region Mainfranken GmbH am 14. Dezember bei der Überlandzentrale Mainfranken. Für ihn war die Antwort klar: „Wir haben einen Planeten zu retten! Klimaschutz muss das neue Man-To-The-Moon-Projekt werden. Dazu bedarf es Visionen und politischer Akteure, die die Kraft und den Mut haben, sich an die Spitze einer globalen Bewegung zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad zu stellen.“ Denn was laut des renommierten Forschers von der HTW Berlin bislang auf die durchaus ermutigenden Beschlüsse des Pariser Klimagipfels 2015 gefolgt sei, reiche bei Weitem nicht aus. Und bevor man mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere Länder zeige, müsse man erstmal vor der eigenen Haustüre kehren. „Schon die aktuellen Klimaziele der Bundesregierung erfüllen keineswegs den CO2-Reduktionspfad für 1,5 Grad, der bis zum Jahr 2040 eine Energieversorgung ganz ohne Erdgas, Erdöl und Kohle zum Ziel hat. Ganz zu schweigen von der tatsächlichen Emissionsentwicklung, die noch düsterer aussieht. Sind wir also wirklich besser als Trump?“ Insbesondere die Argumente, die Energiewende sei zu teuer und könne unserer Wirtschaft schaden, ließ Professor Quaschning nicht gelten und machte dies an zwei Beispielen deutlich: „Die Waldschäden aufgrund der diesjährigen Dürreperiode werden auf 5,4 Milliarden Euro geschätzt und das Niedrigwasser im Rhein kostete alleine dem BASF-Konzern Millionensummen. In Wahrheit kostet uns der Klimawandel ein Vielfaches dessen, was wir für die Energiewende investieren müssen.“ Unvorhersehbar seien auch die Folgen auf künftige Migrationsbewegungen. Die zunehmenden Probleme bei der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung sowie der steigende Meeresspiegel als unmittelbare Folgen der Erderwärmung würde die Zahl der Klimaflüchtlinge – alleine im Jahr 2016 waren es weltweit 23,5 Millionen – explodieren lassen. Was ist konkret zu tun? „Im Sinne der Sektorenkopplung gilt es, die regenerative Stromerzeugung insbesondere aus Windkraft und Photovoltaik massiv auszubauen und diese noch stärker zur Dekarbonisierung des Wärme- und Verkehrsbereichs zu nutzen. Für einen effektiven Klimaschutz benötigen wir daher eine Verdopplung des Stromverbrauchs sowie ausreichend Speicherkapazitäten“, so Professor Quaschning. Hierfür seien Anreize zu setzen, aber auch jeder einzelne müsse seinen ganz persönlichen Beitrag leisten – zum Wohle unserer Enkel.

Ein Geeigneter Rechtsrahmen ist notwendig

Den rechtlichen Rahmen der Sektorenkopplung beleuchtete Thorsten Müller, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht aus Würzburg. „Dadurch, dass die Sektorenkopplung über eine Vielzahl an Einzelregelungen in verschiedenen Gesetzen geregelt ist, führt der aktuelle Rechtsrahmen zur Unwirtschaftlichkeit, insbesondere im Wärmebereich“, so Thorsten Müller. Insbesondere gelte es, die Strompreissituation als aktuell überkomplexes, von Ausnahmevorschriften geprägtes System grundlegend zu ändern. „Zentraler Hebel ist die Verringerung des Unterschieds zwischen Stromkosten auf der einen und den Energiekosten im Wärme- und Verkehrsbereich auf der anderen Seite. Wenn auch rechtlich nicht trivial, wäre in diesem Zusammenhang die Einführung eines CO2-Preises insbesondere in den Sektoren Wärme und Verkehr die durchschlagende Lösung.“

Wasserstoff als Energiespeicher

Wie Sektorenkopplung als Katalysator zu 100 Prozent erneuerbare Energie wirken kann, zeigte Geschäftsführer Norbert Zösch in seiner Präsentation über die Aktivitäten der Stadtwerk Haßfurt GmbH. „Wasserstoff spielt für uns in verschiedensten Anwendungen eine zentrale Rolle – als Brennstoff, aber auch als Energiespeicher.“ So seien für Haushalte etwa ganze Heizungslösungen mit Solaranlage auf dem Dach, Batteriespeicher und Brennstoffzelle verfügbar. Ein echter Leuchtturm, der jüngst auch mit dem Bayerischen Energiepreis ausgezeichnet wurde, ist die Power-to-Gas-Anlage im Haßfurter Hafen, die überschüssige Energie aus erneuerbaren Kraftwerken in umweltfreundlichen Wasserstoff umwandelt und speichert. Über eine KWK-Anlage wird der Wasserstoff bedarfsgerecht wieder zu Strom und Wärme umgewandelt.

Das Potenzial der Geothermie

Bevor die Teilnehmer das Leistungsspektrum der Überlandzentrale Mainfranken – ebenfalls Preisträger des Bayerischen Energiepreises – hautnah im Rahmen einer Betriebsführung erleben durften, gaben Marco Keller und Alexander Wolf einen Einblick in deren Aktivitäten zur Förderung der Mobilitäts- und Wärmewende. Letzteres beinhalte vor allem die wärmetechnische Erschließung von Neubaugebieten mittels regional regenerativ erzeugtem Strom zur Nutzung oberflächennaher Geothermie. Durch den Einsatz von Wärmepumpen mit kombiniertem Speicher lasse sich laut Alexander Wolf eine CO2-freie Heizung realisieren. „Aus unserer Sicht gewinnt die Elektromobilität vor allem über Anwendungen im ländlichen Raum an Fahrt. Insbesondere das Laden im privaten Bereich lasse sich hier aufgrund der höheren Eigenheimquote besser umsetzen“, so Marco Keller. „Dieses Potenzial gilt es noch besser auszuschöpfen und nachhaltiger Mobilität dadurch zum Durchbruch zu verhelfen.“

Erfolgreiche Ansätze in die Fläche bringen

Landrat Florian Töpper, Landrat Thomas Habermann und Gerd Bock als geschäftsführender Vorstand der Überlandzentrale Mainfranken betonten die Bedeutung der regionalen Ebene für das Gelingen der Energiewende: „Die heutige Veranstaltung zeigt es einmal mehr: Mainfranken ist auf einem guten Weg. Diesen Weg müssen wir weitergehen, indem wir erfolgreiche Ansätze noch besser in die Fläche bringen. Dazu leistet die Region Mainfranken GmbH mit ihrem EnergieDialog einen wichtigen Beitrag, steht dahinter doch das Ziel, sich über neueste Trends und Technologien zu informieren, regionale Leuchttürme kennenzulernen und vorhandene Kompetenzen miteinander zu vernetzen.“