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Von Pinguinen, Suppenlöffeln und High-Tech-Lacken

Denker treffen Lenker - New Materials in Mainfranken

23.07.2020
Ansprechpartner:

Emanuel Friehs, M.A.
Ludwigstraße 10 1/2
97070 Würzburg
0931/452 652-13
friehs@mainfranken.org

Anne Weiss, M.Sc.
Ludwigstraße 10 1/2
97070 Würzburg
0931/452 652-12
weiss@mainfranken.org

23.07.2020

Wie werden smarte Materialien unsere Zukunft revolutionieren? Welche neuen Werkstoffe ermöglichen es Unternehmen, nachhaltig und effizient zu wirtschaften? Diese und weitere Fragen beschäftigten die rund 75 Teilnehmer der Online-Netzwerkveranstaltung „New Materials in Mainfranken“ am 23. Juli 2020. Das etablierte Format „Denker treffen Lenker“ wird von der Region Mainfranken GmbH regelmäßig angeboten, mit dem Ziel, regionale Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen und Forschungskooperationen anzubahnen.

Neue Werkstoffe als Grundstein technischer Innovationen
„Der Wirtschaftsstandort Mainfranken ist im Kompetenzfeld Neue Materialien und Kunststoff stark aufgestellt“, erklärte Åsa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH. „Durch die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen und die Exzellenz mainfränkischer Forschungsinstute im Bereich smarte Materialien sprechen Insider schon längst von Mainfranken als einem New Material Valley.“ 
Moderator Dr. Marcus Rauch von der Bayern Innovativ GmbH machte zudem deutlich, dass neue Werkstoffe von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sind. Ohne die Erfindung neuartiger Materialien mit speziellen Eigenschaften wären zahlreiche Produkt- und Systeminnovationen nicht möglich. Welche Werkstoffe in der Praxis bereits verwendet und welche Entwicklungen aktuell im Fokus von Wirtschaft und Wissenschaft stehen, präsentierten vier regionale Hidden Champions und Global Player. 

Immer die richtige Temperatur - mit Phase Change Materials
Als Pionier in der Isolationsbranche entwickelt und vertreibt die Würzburger va-Q-tec AG  Lösungen zur Dämmung und Wärmespeicherung von Produkten. Aktuell sind am Markt besonders Thermo-Verpackungen gefragt, da diese den Transport temperatursensibler Medikamente und Substanzen über weite Strecken ermöglichen. 50% der weltweit versendeten Corona-Test-Kits werden beispielsweise in Boxen von va-Q-tec transportiert. In seinem Vortrag stellte Dr. Joachim Kuhn, CEO der va-Q-tec AG, die Geschäftsfelder der Würzburger High-Tech-Firma vor. „Wir nehmen uns gewissermaßen den Pinguin zum Vorbild. Nur, dass wir nicht mit Fett und Federn arbeiten, sondern mit Vakuumisolationspaneelen und Phasenwechselmaterialien. Wir setzen Werkstoffe ein, die für unsere Kunden große Energie- und Kosteneinsparungen bedeuten“, so Kuhn. 

High-Tech auf Haaresbreite 
80 Millionen Autos werden auf dem gesamten Globus jedes Jahr neu zugelassen. Die Hälfte davon trägt mindestens eine Lackschicht von BASF Coatings. Besonders innovativ sind die Lacke, die eine isolierende oder reflektierende Eigenschaften haben und so das Aufheizen eines PKWs durch Sonneneinstrahlung deutlich reduzieren. Am Standort Würzburg wird seit vielen Jahrzehnten die Entwicklung von Basislacken vorangetrieben. „Aktuell arbeiten wir an der Optimierung der Lackierprozesse. Unser Ziel ist es, mit deutlich weniger Energieeinsatz auszukommen“, so Dr. Simon Kinzel, Leiter des Kundenlabors. 

Sensitiver Kunststoff für die Industrie
„Dass ein Smartphone erkennt, wie es je nach einer Berührung seinen Bildschirm auszurichten hat, verdanken wir den Smart Materials“, erklärte Dr. Holger Böse vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung. Smarte Textilien, Displays, Kupplungen, Bremsen und Aktoren sind die Technologien, um die sich aktuell die Forschung am Center Smart Materials and Adaptive Systems in Würzburg dreht. Die besten Ideen und wichtige Impulse erhält das Forschungsinstitut  dabei von Industriekunden, die sich mit individuellen Problemstellungen an das Fraunhofer Institut wenden, um gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.

Mehr als biologisch abbaubare Suppenlöffel
Dr. Marieluise Lang vom Würzburger Kunststoffzentrum SKZ ging in ihrem Vortrag der Frage nach, ob es eine umweltverträgliche Kunststoffherstellung geben kann. „Wichtig ist, dass für die Produktion von Biokunststoff noch stärker auf Reststoffe und nicht auf Lebensmittel gesetzt wird“, forderte sie. „Erste vielversprechende Forschungen arbeiten etwa mit Zitrusschalen oder Chicoree-Wurzeln.“ 

Wie sich biologisch abbaubarer Kunststoff anfühlt, davon konnten sich die Teilnehmer bereits im Vorfeld der Veranstaltung ein Bild machen.  Zusammen mit der Einladung erhielten alle ein Lunch-Paket mit einer Auswahl regional produzierter Suppen und einem Plastiklöffel hergestellt aus 100% Biopolymer vom SKZ in Würzburg. Alle vier Impulsvorträge kamen bei den Teilnehmern der Online-Netzwerkveranstaltung bestens an. Viele nutzen die Möglichkeit für Rückfragen und weitere Impulse via Chatfunktion. So entstand ein wertvoller Wissenstransfer.